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Nachhaltig, vielseitig, regional: Nach diesen Grundsätzen bewirtschaften Jakob und Marion Awender in Neukirchen an der Enknach im Innviertel den Biohof Schnellberger. 1998 haben Jakobs Eltern, Hans und Rosa, den damals unbewohnten und vollständig baufälligen Hof mit viel Liebe, Arbeit, Weitsicht und Vision wieder zu neuem Leben erweckt. Ihre Landwirtschaft stellten sie 2006 auf biologische Bewirtschaftung um.
2022 haben Jakob und Marion den Hof übernommen. In zweiter Generation entwickeln sie die elterliche Vision, gesunde, regionale und biologische Lebensmittel zu erzeugen, ständig weiter. Ihre Produktpalette umfasst Lammfleisch, Getreide, Saaten und Linsen. „Es ist uns eine besondere Freude, unseren drei Kindern ein naturverbundenes Leben zu zeigen. Die Nähe zu Tieren, Pflanzen, Wiesen, Äckern und Wald empfinden wir als große Bereicherung.“
Erfolgsfaktor Kreislaufwirtschaft
Bio bedeutet für die Familie Awender Vielfalt, Nachhaltigkeit und Sicherheit. Wie wir am Biohof legen sie großen Wert auf eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft. Ein wichtiges Element ist für sie dabei die Tierhaltung. Das Heu für ihre Lämmer produzieren sie am Hof selbst. Neben dem Fleisch sorgen die Tiere für wertvollen Dünger, der die Bodenfruchtbarkeit erhält. Außerdem sind die Schafe wertvolle Helfer, wenn es um die Pflege der Streuobstwiese und steilen Weideflächen geht.
Gerade die jüngsten geopolitischen Entwicklungen bestärken Jakob und Marion in der nachhaltigen Kreislaufwirtschaft. Explodierende Düngerpreise sehen sie gelassen, weil sie ihn schlicht nicht brauchen. Für die Zukunft wünschen sie sich mehr Bewusstsein, dass es wichtig ist, heimische Lebensmittel zu produzieren.
Ein ganzes Schafleben am Biohof
Die Lämmer werden am Hof geboren und wachsen dort nach strengen Bio-Richtlinien auf. Die Bio-Tierhaltung bietet den Tieren im Vergleich zur konventionellen Haltung deutlich mehr Platz, verpflichtenden Auslauf, längere Aufzuchtzeiten und ökologisches Futter ohne Gentechnik. Bio-Tiere werden seltener krank und Antibiotika werden nur im Notfall, nicht pauschal präventiv, eingesetzt.
Familie Awender ist die Schlachtung und Verarbeitung direkt am Hof ein besonderes Anliegen. „Diesen Mehraufwand nehmen wir gerne in Kauf, um Tiertransporte und den damit verbundenen Stress vollständig zu vermeiden.“
Linsen aus Österreich
Mit dem Linsenanbau besetzen die Awenders in Österreich eine seltene Nische. Dabei sind Linsen sehr trockenheitstolerant und benötigen nur wenig Dünger. Doch eine besondere Herausforderung beim Anbau sind die stark schwankenden Erträge. Da kann auch schon einmal eine Ernte komplett ausfallen. Das liegt daran, dass die Linse noch eine ganz ursprüngliche Pflanze ist, die im Gegensatz zu vielen standardoptimierten Sorten wie bei Weizen und Co. nicht auf Ertrag hochgezüchtet wurde. Ein Produkt also, das heute nicht anders ist als vor 100 Jahren.
Linsen sind in der heimischen Küche ein bisschen in Vergessenheit geraten und werden gerade erst wiederentdeckt. Der größte Vorteil der österreichischen Linsen: Sie müssen vor dem Kochen nicht eingeweicht werden. „Dadurch eignen sich unsere Linsen bestens für die schnelle Küche“, verraten uns Marion und Jakob. Sie beschäftigen sich seit Jahren mit Linsen und haben bereits viele Rezepte ausprobiert.
Zu ihren Lieblingsrezepten gehört der Linsenaufstrich, den sie besonders bei unerwarteten Gästen zu schätzen wissen. Beliebiges Gemüse andünsten, Linsen dazugeben, mit Wasser bedecken und 10–15 Minuten weichkochen. Mit dem Pürierstab glatt pürieren und nach Belieben würzen. „Bis sich die Gäste hingesetzt haben, ist die Jause schon auf dem Tisch“, so Jakob.