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Du hast es bestimmt schon einmal gesehen: Sonderangebot im Supermarkt, ein Kilo Bio-Karotten um 99 Cent. Hast du dich da auch gefragt, wie sich das ausgehen soll?
Wir schauen uns an, wer bei großen Supermarktketten draufzahlt. Mit einem Blick in unsere eigene Bio-Landwirtschaft zeigen wir auf, wie viel Arbeit hinter einem Kilo Karotten steckt und warum sich 99 Cent für Bio-Karotten nie und nimmer ausgehen.
Vom Feld auf deinen Teller: So viel Arbeit steckt dahinter
Im März starten in unserer Landwirtschaft die Arbeiten für den Karottenanbau. Mit der Dammfräse werden lange Hügel aufgezogen. In der aufgelockerten Erde wachsen die Karotten besonders gut. Außerdem wärmen sich die Karottendämme im Frühjahr schneller auf und erleichtern die Pflege und Ernte. Zwei Reihen Karotten werden pro Damm ausgesät. Das Feld wird mit Vlies abgedeckt, damit die Samen vor Kälte geschützt sind und ihre Keimtemperatur erreichen können. Wenn es zu trocken ist, muss bewässert werden.
Nach ungefähr zehn Tagen macht sich das erste Unkraut bemerkbar. Es wird mit einem Abflammgerät abgebrannt. Die Karotten sind zwar schon gekeimt, befinden sich aber noch unter der Erde und sind somit von der Flamme geschützt. Erst zwei Wochen nach der Aussaat durchdringen die Keimlinge den Boden und die Karotten beginnen zu wachsen.
Zehn Tage später fährt zum ersten Mal das Reihenhackgerät übers Karottenfeld. Alles Beikraut, das es nicht erwischt, wird von unseren Mitarbeitern händisch ausgezupft. Um diese Arbeit etwas zu erleichtern, liegen sie dabei auf sogenannten Jätefliegern. Die kennst du vielleicht von der Gurkerlernte. Dieser Arbeitsschritt wird im April wiederholt.
Im Mai werden die Reihen neu angehäufelt, damit alle Karottenköpfe mit Erde bedeckt sind und sich nicht grün verfärben. Anfallendes Beikraut wird erneut händisch entfernt. Unsere Karotten sind wenig anfällig für Schädlinge. Schauen doch einmal die Blattläuse vorbei, machen sich die vielen Marienkäfer, die sich dank der hohen Biodiversität auf unseren Feldern wohlfühlen, über sie her.
Ende Mai bis Anfang Juni werden die jungen Bundkarotten geerntet, also mit dem schönen Karottengrün, das du für Pesto, Suppen oder als Würzkraut verwenden kannst. Damit das zarte Grün nicht beschädigt wird, müssen die Karotten sorgfältig per Hand geerntet werden. Die Bundkarotten werden in unserer Wurzelgemüsewaschanlage gewaschen und landen frisch in deiner Biokiste oder im Bio-Frischmarkt.
Ende Juni sind die Karotten richtig ausgereift und werden mit dem so genannten Klemmbandroder geerntet. Das Gerät schneidet die Wurzeln ab und hebt die Karotten aus der Erde. Das Grün wird automatisch entfernt. Mit einem Abstand von 14 Tage werden 6 - 7 Mal pro Saison Karotten ausgesät und die obigen Arbeitsschritte wiederholt. So landen in deinem Bio-Einkauf immer frische Karotten.
Bis zu ihrem Einsatz „schlummern“ die Karotten bei ca. 1 °C dunkel und noch ungewaschen in großen Holzkisten. Erst kurz vor dem Verkauf werden sie in der Karottenwaschanlage gewaschen und sortiert. So schaffen wir es bis etwa April im Folgejahr, deine Biokiste und unseren Bio-Frischmarkt mit unseren eigenen Karotten zu bestücken. Auch wenn Maschinen viele Arbeitsschritte unterstützen, braucht es viel Handarbeit, Energie und Zeit, bis die Karotte am Teller landet.
Kreislauf statt Kampfpreis
Viele dieser Arbeitsschritte gleichen sich auf allen Bioflächen. Es werden nie chemisch-synthetischen Dünge- und Pflanzenschutzmittel verwendet. Das Beikraut wird stattdessen mechanisch entfernt. Genau hier, an den Mindestanforderungen der EU-Bioverordnung, hört es dann aber oft fürs „Industrie-Bio“, das du in großen Supermarktketten findest auch schon wieder auf.
Bei uns am Biohof steht nicht die Ertrags- und Gewinnmaximierung, sondern die langfristige Bodengesundheit an erster Stelle. Statt auf gepachteten Flächen dreimal im Jahr dieselbe Monokultur zu pflanzen und das Feld dann ausgelaugt zurückzugeben, planen wir eine weitgestellte Fruchtfolge, dank der pro Fläche nur eine Gemüsekultur im selben Zeitraum wächst. Eine durchdachte Abfolge von Kulturen (1 Jahr Gemüse, 1 Jahr Getreide, mehrere Jahre Gründüngung) verbessert die Bodenstruktur, Nährstoffnutzung und Biodiversität unserer Felder und dämmt gleichzeitig Unkraut, Schädlinge und Krankheiten ein. Dadurch erhalten wir einen gesunden Boden, verzichten gleichzeitig aber auf Ertrag.
Auf unserer Kompostieranlage produzieren wir jährlich rund 1.000 m³ Kompost, die beste Nahrung für unsere Böden. Humusaufbau ist ein mühsamer, langfristiger Prozess, aber er nutzt uns allen. Gesunde, humusreiche Böden sind fruchtbar, speichern CO2 aus der Luft und können ein Vielfaches mehr an Wasser aufnehmen als kaputte, erodierte Böden. Das ist ein wichtiger Beitrag zum Hochwasserschutz. „Ein intakter Boden nährt Generationen. Zerstören wir ihn, entziehen wir uns selbst die Lebensgrundlage“, so Andi Achleitner.
Partnerschaften statt Preiskampf
Der Lebensmittelhandel wird in Österreich von drei großen Playern dominiert. Das gibt ihnen enorme Marktmacht. Sie bestimmen den Preis. Macht's ein anderer günstiger, wird der Lieferant gewechselt und der Landwirt bleibt auf seiner Ware sitzen. Bestellt wird oft erst nach Ernte. Braucht der Handel weniger Ware als geplant, ist Lebensmittelverschwendung vorprogrammiert. Ohne Planungssicherheit und mit dem Druck, immer günstiger zu produzieren, fällt es schwer, sich auf langfristige Themen wie Bodengesundheit zu konzentrieren.
Unsere Bio-Partner arbeiten wie wir im Einklang mit der Natur. Sie können sich auf eine stabile Partnerschaft verlassen. Eine gemeinsame Anbauplanung und vereinbarte Saisonpreise geben ihnen Sicherheit. Wir sind selbst Landwirte und kennen die Probleme: Für Ernteausfälle, Schönheitsfehler und Übermengen finden wir gemeinsame Lösungen.
Bio ist, wenns gut für alle ist
Bio-Karotten um 99 Cent geht sich mit einem fairen System nie und nimma aus. Nicht für Landwirte, nicht für unsere Böden und nicht für unser aller Zukunft. Weil für uns bedeutet Bio: Faire Zusammenarbeit, gesunde Kreisläufe und eine Landwirtschaft, die Böden, Natur und Menschen langfristig stärkt.
Mit jedem Einkauf bei uns unterstützt du ein nachhaltiges System, das Zukunft schafft – nicht kurzfristige Billigangebote.
Mehr als 200.000 Tonnen Lebensmittel werden jä...
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