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67 Pestizide in deiner Atemluft

Eine Studie zeigt: so belastet ist deine direkte Umgebung

16.08.2022

Herbizide, Fungizide und Insektizide aus der konventionellen Landwirtschaft sind praktisch allgegenwärtig und lassen sich mittels Luftfilter in unserer Atemluft nachweisen. Sie sind nicht nur in unmittelbarer Nähe von konventionell bewirtschafteten Agrarflächen zu finden, sondern überall – sogar in Nationalparks und im Stadtkern von Großstädten. Eine erschreckende und mahnende Zahl, wie die neueste Studie der Universität für Bodenkultur und der Medizinischen Universität Wien im Auftrag der Bewegung "Enkeltaugliches Österreich" zeigt.

„Wir haben in verschiedenen Regionen in Ostösterreich Luftfilter aufgestellt, nach mehreren Monaten eingesammelt und auf Pestizide analysiert. Die gefundenen Chemikalien haben wir dann hinsichtlich ihrer Nebenwirkungen auf die Umwelt und den Menschen bewertet“, erklärt Prof. Dr. Johann Zaller von der Universität für Bodenkultur Wien, einer der Studienautoren.

„Uns hat überrascht, wie weit sich Pestizide in der Luft verbreiten. Die Anzahl und Konzentrationen der gefundenen Pestizide waren abhängig von der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung in der Umgebung. Aber auch höhere Temperaturen förderten deren Verbreitung. Aus Umweltsicht ist das problematisch, weil viele der gefundenen Stoffe giftig für Bienen, Regenwürmer oder Vögel waren“, so Zaller.


Vom Winde verweht

Pestizide verbleiben oft nicht dort, wo sie ausgebracht werden. Über die Luft werden sie zum Teil über große Distanzen verteilt und stellen als so genannter „Abdrift“ eine Gefahr für Tier, Umwelt und nicht zuletzt für uns Menschen dar. Von den 67 gefundenen Pestiziden in Österreichs Atemluft gelten allein die Hälfte offiziell als schädlich für die menschliche Gesundheit. Neben Reizungen von Schleimhäuten und Haut können sie das Hormonsystem stören – mit negativen Folgen für unsere Fortpflanzung. Nicht zuletzt birgt fast ein Viertel der gefunden Pestizide ein krebserregendes Potenzial. Weitere Folgen sind:


Verlust der Artenvielfalt & Biodiversität

Die rote Liste der bedrohten Arten in Österreich ist lange. 37 % der Säugetiere, 36 % der Brutvögel sowie 60 % aller Fische sind vom Aussterben bedroht. Synthetische Stickstoffdünger und der intensive Einsatz von Pestiziden tragen einen wesentlichen Anteil zum drastischen Rückgang der biologischen Vielfalt bei. Traurige Bekanntheit erlangten zum Beispiel Neonicotinoide, die unter anderem für das Bienensterben verantwortlich sind. Diese Stoffe, die in Insektiziden enthalten sind, wirken als Nervengift für Insekten, schwächen das Immunsystem, beeinträchtigen ihre Orientierung und Fortpflanzungen, führen zum Tod und sorgen letztlich für einen massiven Artenrückgang bei Honig- und Wildbienen sowie Schmetterlingen. In weiterer Folge betrifft das auch die nächsten Mitglieder der Nahrungskette wie z.B. Feldvögel. Gleichzeitig reichern sich Neonicotinoide in den Böden an und machen sie zur Gefahr für Lebewesen im und auf dem Boden. Mehr dazu auf der Seite des deutschen Naturbundes > mehr erfahren.

Die Auswirkungen auf den Menschen, der mit Pestizid belasteten Honig und Pollen zu sich nimmt, ist noch nicht hinreichend untersucht worden aber der Verlust der Biodiversität wirkt sich auf unser gesamtes Ökosystem und somit auch auf uns aus, denn niemand weiß genau, ob unser Ökosystem seine Leistung noch erbringen kann, wenn 30 bis 50 Prozent aller Arten ausgestorben sind.


Pestizide am Bio-Feld – Risiken für Bio-Betriebe

Im ökologischen Anbau ist der Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden tabu, wenn nicht manchmal etwas von Nachbars konventionell bewirtschaftetem Acker in der Luft oder am Feld liegen würde. Die Folge: Betroffene Produkte und Flächen verlieren den Bio-Status. Oftmals ein finanzieller Schaden, der in die Tausende geht und auf dem die Bio-Betriebe sitzen bleiben. Zudem trifft betroffene Betriebe oft die Beweislast. Das bedeutet: Ein Bio-Bauer bei dem im Zuge einer Stichprobenkontrolle durch die Prüfstelle Rückstände von Pestiziden gefunden werden, muss beweisen, dass er die gefundenen Substanzen nicht selbst ausgebracht hat, sondern diese durch Abdrift auf die Felder gelangt sind. Selbst wenn die Unschuld bewiesen werden kann, bleibt ein Schaden, da der Verursacher der Verunreinigung so gut wie nie festgestellt werden kann.

Um Kontaminationen bestmöglich zu verhindern, behelfen sich viele Bio-Betriebe mit Hecken und Abstandsflächen zu konventionell bewirtschafteten Feldern. Zusätzlich zu den Stichproben der Bio-Kontrollstellen führen einige Bio-Betriebe zur weiteren Absicherung ein ergänzendes freiwilliges Monitoring durch. Wir gehen als einziger, österreichischer Betrieb mit dem BNN-Monitoring auf Nummer sicher. Monatlich werden vier Stichproben aus unserem gesamten Sortiment auf Verunreinigungen von unabhängigen Laboren überprüft. „250.000 € pro Jahr kostet ein großes mittelständiges Unternehmen für Bio-Lebensmittel die Überprüfung, ob ihre Produkte durch Pestizide kontaminiert wurden – pro Jahr“ so Susan Haffmans, Agraingenieurin und Referentin beim Pestizid Aktionsnetzwerk e.V. (OAN Germany). Das BNN Monitoring ist zwar aufwendig und kostspielig, gibt uns als Bio-Betrieb und den Konsumentinnen und Konsumenten aber die Sicherheit, dass die Produkte bestmöglich abgesichert sind


Gemeinsam für ein besseres JETZT

„Abdrift auf biologische Flächen“ ist auch der Ursprung der Bewegung „Enkeltaugliches Österreich“. Gestartet als gemeinnütziger Verein für Kräuterbauern, die sich zusammengeschlossen haben, um sich gegenseitig bei Abdrift finanziell zu unterstützen, ist heute eine Bewegung für 100 % Bio in Österreich und damit eine enkeltaugliche Zukunft entstanden, die auch wir tatkräftig unterstützen.

Zum Schutz für Umwelt, Tier und nicht zuletzt für uns Menschen muss eine schrittweise, flächendeckende Umstellung auf Bio künftig der Weg für uns und ein enkeltaugliches Österreich sein – für unsere Gesundheit und ganz im Sinne der Generationenverantwortung.

  • Dass eine Umstellung auf 100 % Bio möglich ist, beweisen zahlreichen Studien. Zahlen, Fakten und Lösungswege, wie 100% Bio in Österreich gelingen kann, kannst du hier nachlesen.

Die Studie zur Pestizidbelastung in unserer Atemluft ist eine aktuelle, erschreckende Bestandsaufnahme – regelmäßiges Monitoring wie dieses fehlt in Österreich bis dato. Eine staatliche Überwachung des Ferntransports von Pestiziden gibt es momentan nur in Schweden. Ebenso werden die möglichen Gefahren durch die Pestizide nur aufgrund einer Aufnahme in den Verdauungstrakt bewertet, nicht aber darüber, wenn die zum Teil hochgiftigen Pestizide täglich eingeatmet werden – hier fehlen die nötigen wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Du möchtest dich FÜR unsere Umwelt und ein enkeltaugliches Österreich einsetzen? Dann mach mit und werde aktives Mitglied der Bewegung "enkeltaugliches Österreich". 

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